Marie Curie
(1867 – 1934)

Wir stellen die Namensgeberin unserer Schule vor

Marie Curie ist...

  • die erste Frau an der Sorbonne, die einen Abschluss in Physik macht
  • die erste Frau, die an der Sorbonne lehrt
  • die erste Frau, die als Dozentin an die renommierte École normale supérieure de jeunes filles in Sèvres berufen wird
  • die erste Frau, die einen Professorentitel bekommt
  • die erste und einzige Frau, die an der ersten Solvay-Konferenz 1911 teilnahm
  • die erste Person überhaupt, der zum zweiten Mal ein Nobelpreis zuerkannt wird
  • die erste Frau, die im Panthéon in Paris wegen ihrer Verdienste beigesetzt wird

Wissenswertes und Kurioses

  • Marie Curie prägte den Ausdruck „Radioaktivität“
  • Vier Jahre lang schuftete Marie Curie, um aus 60 Tonnen
  • Pechblende ein Zehntel Gramm Radium zu gewinnen.
  • Es gibt in Deutschland 9 Gymnasien, die nach ihr benannt sind.
  • 1984 wurde das Notizbuch von Marie Curie für umgerechnet 136.000 Mark versteigert, in Anwesenheit eines Zivilschutzbeamten. Das Buch ist so stark verstrahlt, dass es als unlesbar gilt.

Aktuelles über Marie

M-Maybe Marie

Zum Schuljubiläum bekommt das MCG Gebäude noch mehr Marie Curie Charakter

150 Jahre Marie Curie

Das MCG feierte den Geburtstag seiner berühmten Namensgeberin

MARIE SKŁODOWSKA CURIE geht an die Wand – Wissenschaft und Street-Art

Das MCG bekommt ein Marie-Curie Graffiti

Zwei Welten

jung, verwittert
starrt uranverwestes Gesicht
leer, abwesend
in ferne Weiten der Wissenschaft.
Zart, verrottet
streift kalte Hand
starr, staubig
krauses Haar hinter klaren Kopf.

Vom einen zum anderen,
Wahnsinn und Genie.
Stirbt durch eigenen Forscherdrang
durch den gespenstischen Strahl des
Atoms,

doch lebt als
Patronin der Chemie
fort in den Herzen und Hirnen
der Welt.

Meike Wanner, Literaturkurs Q1

Ihre Zeit - in Warschau

Marie Curie heißt ursprünglich Maria Salomea Skłodowska und stammt aus Polen, genauer gesagt aus Warschau, das zum Zeitpunkt ihrer Geburt 1867 unter russischer Besatzung stand. Sie fiel schon als Kind wegen ihrer Intelligenz und außerordentlichen Fähigkeiten auf, lernte mit vier lesen, bewältigte frühzeitig mühelos komplizierte Matheaufgaben und steckte, wann immer es ging, ihre Nase in Bücher. Aber zu dieser Zeit stand höhere Bildung für Mädchen nicht auf der Tagesordnung, und so eignete sich Mania, wie sie genannt wurde, mit Hilfe ihres Vaters erste Grundlagen in Physik an.

Auf nach Paris

1883 trat Marie Curie einer im Geheimen operierenden sogenannten »Fliegenden Universität« bei, die inoffiziell Studien in wechselnden Räumen durchführte. Bei ihren ersten Experimenten in den Labors wurde endgültig ihre Leidenschaft für die Forschung geweckt. Aber Frauen durften in Polen nicht studieren und für ein Auslandsstudium fehlte schlichtweg das Geld. Nach vier Jahren freudloser Existenz als Gouvernante konnte sie dann endlich, unterstützt von ihrer ebenfalls nach Frankreich emigrierten Schwester Bronia, an der Sorbonne in Paris immatrikulieren, belächelt von vielen Kommilitonen und argwöhnisch beäugt von den Professoren. Hier nun beginnt der, so möchte man sagen, unaufhaltsame Aufstieg der berühmten Marie Curie. Sie entdeckt zwei neue Elemente, erhält nicht ein- sondern sogar zweimal den Nobelpreis, konferiert mit den schlauesten Köpfen Europas über das, was man später Kernforschung nennen sollte.

Piere und Marie – Ein Dreamteam

Das klingt alles nach einer erfolgreichen und - trotz der Entbehrungen in ihrer Jugend - erfüllten Biographie. Aber privat möchte man nicht mit ihr tauschen, denn schon ihre Männergeschichten ergeben eine deprimierende Lektüre. In ihrer Zeit als Gouvernante in der Provinz verliebt sich der Sohn ihrer adligen Arbeitgeber in sie, wirbt um sie und scheitert dann an der entrüsteten und mit unverhohlener Erpressung garnierten Ablehnung seines Vaters, der für seinen Sohn eine bessere Partie suchte. Frustriert sucht das junge Mädchen das Weite. Später, an der Sorbonne, geht Marie, wie sie sich französiert nennt, ihren eigenen Weg, will studieren, einen Abschluss machen und nach Polen zu ihrem Vater zurückkehren. Bei den Vorbereitungen zu ihrer Doktorarbeit stellt man ihr eines Tages Pierre Curie vor, der ihr mit seinen selbstentwickelten Apparaturen helfen soll, Messungen an Becquerel-Strahlen vorzunehmen. Pierre Curie, wie Maria Sklodowska leidenschaftlicher Wissenschaftler, findet in ihr eine Seelenverwandte – und Partnerin fürs Leben. Die beiden werden, so würde man das heute formulieren, ein Dreamteam. Gemeinsam forschen sie und ihnen gelingt nach langer, und wie der Mythos es auch will, schwerster Arbeit die Entdeckung zweier Elemente, beide hochradioaktiv. Obwohl das Wissen um die eigene Gefährdung durchaus vorhanden ist, setzen sich beide unbeeindruckt der Strahlung aus, gehen bis zu totalen Erschöpfung in ihrer Forschung auf. Ein banaler und zugleich tragischer Unfall – Pierre gerät unter eine Pferdekutsche – macht Marie vorzeitig zur Witwe, ihre Töchter Ève (2) und Irène (9) zu Waisen.

Schwere Zeiten

Nun beginnt eine der schwersten Zeiten in ihrem Leben. Sie versinkt in leidenschaftliche Trauer, vernachlässigt darüber ihre Arbeit und ihre Kinder, steht, gefangen in schwersten Depressionen, am Rande des Suizids. In dieser Zeit ist ihr Paul Langevin eine große Hilfe. Er ist ebenfalls Wissenschaftler und ein langjähriger Freund, zudem unglücklich verheiratet. Die beiden werden ein Paar. Seine Frau lässt die beiden ausspionieren; es finden sich Beweise für eine Liebesbeziehung, private Briefe der beiden werden den französischen Zeitungen zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Maries Ruf ist ruiniert – nicht etwa der des treulosen Ehemannes. Maries Haus wird von Journalisten belagert, das Nobelpreiskomitee legt ihr nahe, den ihr erneut angetragenen Nobelpreis nicht persönlich entgegenzunehmen. Marie Curie reagiert empört und fährt trotzdem nach Stockholm. Diese Langevin-Affaire stürzt sie erneut in eine schwere Krise, zumal Paul sich nicht zu ihr bekennt und schließlich zu seiner eifersüchtigen Ehefrau zurückkehrt.

Späte Erfolge – Das Vorbild Marie - Curie

Marie Curie widmet sich danach ganz der Forschung, an der zu ihrer Freude auch ihre ältere Tochter Irène großes Interesse hat. Sie, die ebenfalls im Jahre 1935 mit dem Nobelpreis geehrt wird, unterstützt im ersten Weltkrieg Marie Curie mit mobilen Röntgenapparaturen an der Front und tritt nach dem Tod ihrer Mutter ihre Nachfolge in dem inzwischen gegründeten Radium-Institut für Radiologie an. 1934 stirbt Marie Curie an Leukämie, einer Folge ihrer langjährigen Kontakte mit radioaktiven Stoffen. Knapp vierzig Jahre später wurde unsere Schule gegründet, zunächst als 2. Städtisches Mädchengymnasium. 1971 erhielt unsere Schule auf Initiative der ersten Schulleiterin Christel Weyhe den Namen „Marie Curie“. Frau Weyhe, selber Chemikerin, wollte damit ein Zeichen setzen, dass auch Mädchen ihren Platz in den Naturwissenschaften haben.

Zitate Marie Curie

Über die Zeit der “privaten Universitäten” in Warschau:

Ich bewahre eine lebhafte Erinnerung an jene freundliche Atmosphäre von geistiger und sozialer Kameradschaft. Die Möglichkeiten des Wirkens waren gering, und die erreichten Ergebnisse konnten nicht beträchtlich sein. Dennoch halte ich an dem Glauben fest, dass die Ideen, die uns damals leiteten, die einzigen sind, die zu einem wahren Fortschritt führen können. Wir dürfen nicht hoffen, eine bessere Welt zu erbauen, ehe nicht die Individuen besser werden. In diesem Sinn soll jeder von uns an seiner eigenen Vervollkommnung arbeiten, indem er auf sich nimmt, was ihm im Lebensganzen der Menschheit an Verantwortlichkeit zukommt, und sich seiner Pflicht bewusst bleibt, denen zu helfen, denen er am ehesten nützlich sein kann. (p. 20, Anm. 13)

Madrid 1933:

“Ich gehöre zu jenen, die glauben, daß die Wissenschaft etwas sehr Schönes ist. Der Wissenschaftler in seinem Laboratorium ist nicht nur ein Techniker. Vor den Geheimnissen der Natur steht er mit der gleichen Andacht wie ein Kind vor einem schönen Märchen […] Ich befürchte nicht, dass die Liebe zum Unbekannten und das Verlangen nach dem großen Abenteuer in der heutigen Zeit von der Vernichtung bedroht sind. Das Lebendigste von allem was ich um mich herum erblicke, sind eben jenes Verlangen und jene Liebe, die sich nicht ausrotten lassen und aufs engste mit der wissenschaftlichen Neugier verbunden sind.” (p.130, Anm. 131)

Ausdruck des optimistischen Fortschrittsglaubens ihrer Zeit:

“Jede Kulturgemeinschaft hat die unabdingbare Pflicht, den Bereich der reinen Wissenschaft zu bewahren, in dem Ideen und Entdeckungen entstehen, die Forscher zu schützen und zu ermutigen und ihnen alle Mittel bereitzustellen. Nur um diesen Preis kann eine Nation wachsen und eine harmonische Entwicklung auf ein fernes Ideal hin verfolgen.” (p. 135, Anm. 135) Pierre und Marie Curie verzichteten bewusst darauf, ihre Erfindung auf ihren Namen patentieren zu lassen und finanzielle Vorteile aus Patentrechten zu ziehen, um möglichst vielen Wissenschaftlern die Möglichkeit zu geben, nach Anwendungen des Radiums zur Heilung für Menschen zu forschen: “Die Menschheit braucht zweifellos praktische Persönlichkeiten, die aus ihrer Arbeit einen maximalen Nutzen zu ziehen verstehen und, ohne das Allgemeinwohl zu vernachlässigen, ihre eigenen Interessen vertreten. Sie braucht aber auch Träumer, für die die uneigennützigen Ergebnisse ihres Werks so wichtig sind, dass es ihnen unmöglich ist, an die materiellen Vorteile zu denken, die sie sich sichern könnten.” (p. 115, Anm. 120) (Zitate entnommen aus der rororo Bildmonographie)

Albert Einstein über Marie Curie

“Wenn ein überragender Mensch wie Frau Curie sein Leben abgeschlossen hat, so sollten wir nicht nur an das erinnern, was er den Menschen an Ergebnissen der Arbeit geschenkt hat; denn die ethischen Qualitäten der führenden Persönlichkeiten einer Generation sind für diese und den Lauf der Geschichte von vielleicht noch größerer Bedeutung als die rein intellektuellen Leistungen. Auch sind diese letzteren in höherem Maße, als man gewöhnlich denkt, von der Größe des Charakters abhängig. . . Sie war von einer Stärke und Lauterkeit des Willens, von einer Härte gegen sich selbst, von einer Objektivität und Unbestechlichkeit des Urteils, die selten in einem Menschen vereinigt sind. Sie fühlte sich in jedem Augenblick als Dienerin der Gesellschaft, und ihre tiefe Bescheidenheit ließ keine Selbstzufriedenheit aufkommen … Hatte sie einen Weg für richtig erkannt, so verfolgte sie ihn ohne Kompromisse mit äußerster Zähigkeit. Die größte wissenschaftliche Tat ihres Lebens, der Existenz-Nachweis und die Isolierung radioaktiver Elemente, verdankt ihre Realisierung nicht nur einer kühnen Intuition, sondern auch einer Hingabe und Zähigkeit in der Ausführung ihrer Forscherarbeit, unter denkbar harten äußeren Verhältnissen, wie sie in der Geschichte der experimentellen Wissenschaft nicht oft aufgetreten ist. Wenn auch nur ein kleiner Teil von Frau Curies Charaktergröße und Hingabe in den Intellektuellen Europas lebendig wäre, stünde es besser um Europas Schicksal.” [A. Einstein, Aus meinen späteren Jahren, Stuttgart 1984, S. 207-208.]

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