Inmitten von blühenden Blumenfeldern wirkt es kaum vorstellbar, dass sich vor rund 80 Jahren angrenzend an das Gelände der Landesgartenschau ein Großteil der Betriebe und Lager befand, in denen Kriegsgefangene und Zwangsarbeitskräfte eingesetzt wurden bzw. untergebracht waren. Die Zahl der Menschen, die im Zweiten Weltkrieg zu diesem Zweck nach Neuss verschleppt wurden, wird auf etwa 10.000 geschätzt. Nicht wenige starben hier fernab ihrer Heimat infolge von Entkräftung, Infektionskrankheiten oder Bombardierungen.Mit diesen Schicksalen beschäftigte sich seit Anfang des Halbjahres der Projektkurs Geschichte und setzte damit die Arbeit des vergangenen Kurses fort. Bereits in der Vergangenheit forschten MCG-Schüler:innen zu Biographien von deutschen und ausländischen Kriegstoten, die auf dem Neusser Hauptfriedhof bestattet sind bzw. es einst waren.
Unter der Leitfrage „Wie wollen wir Gedenkorte gestalten – und wie das Gedenken?“ hatte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. (VDK) die Schüler:innen am 7. Mai 2026 zu einem Dialog mit Regierungspräsident Thomas Schürmann eingeladen. Schürmann lobte ausdrücklich die intensive Auseindersetzung der Kursteilnehmer:innen mit Kriegsgräberstätten als besondere Erinnerungsorte- auch vor dem Hintergrund ihres noch jungen Alters. „Wenn sich Zahlen in Menschen verwandeln, erschüttert Geschichte noch mehr“ – mit diesem Eindruck fasste eine Schülerin des Projektkurses Geschichte ihre Eindrücke zusammen. Die Jugendlichen hatten im Vorfeld vielfältig recherchiert: Sie besuchten die Kriegsgräber auf dem Neusser Hauptfriedhof, das Stadtarchiv und nutzten die Datenbank der Arolsen Archives, das größte Archiv zu Opfern und Überlebenden desnationalsozialistischen Regimes.
Neben ihren beiden Lehrkräften Annika Dötsch und Michael Schmitt wurden sie dabei auch von der Stadtarchivarin Dr. Annekatrin Schaller und der Bildungsreferentin Konstanze Bauer vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberstätte e.V. unterstützt.
Auf dem Friedhof ist den Jugendlichen auch der Unterschied zwischen den individuellen Gräbern der so genannten Ehrenanlage und dem kleineren, gemeinsamen Gräberfeld für die ausländischen Kriegstoten aufgefallen, an deren Schicksal drei Gedenksteine erinnern.Darüber hinaus stellten die Schüler:innen eine Auswahl an typischen Gedenkzeichen im In- und Ausland vor. Diese Symbole wurden auch gestalterisch aufgegriffen: So waren die Umbettungssärge der Kriegsgräberfürsorge nicht nur mit Fotos und Namen von Kriegstoten, sondern auch mit selbst gestalteten Blüten des Vergissmeinnichts und Klatschmohns sowie Blättern des Ginkgo‐Baums versehen. Diese Pflanzen stünden für Frieden, Hoffnung, Regeneration, Liebe und Erinnerung.
Auch die lokale Politik zeigte Interesse: Bürgermeister Reiner Breuer und die stellvertretende Landrätin Sandra Lohr waren interessierte Gäste der Präsentation und führten im Anschluss Gespräche mit den Kursteilnehmenden.Der Projektkurs Geschichte hat mit seiner Arbeit eine wichtige Auseinandersetzung angestoßen —sowohl inhaltlich als auch künstlerisch — und zeigt, wie schulisches Engagement zur Bewahrung von Erinnerung und zur Förderung von Frieden beitragen kann.
[DÖT/ SCH]






